Die Attraktivität der Ländlichkeit I

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Land meets Integration

500 Landinitiativen

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat das Programm 500 Landinitiativen ins Leben gerufen. Mit dem Programm unterstützt das BMEL ehrenamtliche Initiativen auf dem Land, die sich um Geflüchtete kümmern und die Integration neuzugewanderter Menschen fördern. Der finanzielle Zuschuss liegt zwischen 1000 und 10.000 €. Die bezuschussten Projekte sind sehr vielfältig: Kultureller Austausch, Netzwerkarbeit, Hilfen im alltäglichen Leben, sportliche Veranstaltungen, Workshops, Patenschaften, und und und … . Welche Projekte letztendlich bezuschusst wurden, stellt das BMEL in einer übersichtlichen interaktiven Karte dar (hier kicken, dann geht´s zur Karte). Die Finanzierung von Sprachmittlern, die Integration von Geflüchteten in den Karnevalsclub, ein multikultureller Begegnungschor – das sind nur drei Beispiel für das bürgerschaftlichen Engagement in ländlichen Regionen.

Fehlende Kinderbetreuung hemmt Integration

Bis Ende Mai sind zahlreiche Anträge beim BMEL eingegangen. Die 500. Initiative kommt vom Mütter- und Familienzentrum Roth e.V. und konnte mit dem Projekt von klein an überzeugen. In der Pressemitteilung wird das Projekt so beschrieben:

„Voneinander zu lernen steht in dieser ehrenamtlich geleiteten Vorkindergartengruppe für Flüchtlingskinder, Eltern und Familien im Fokus. Während des einjährigen Projekts werden in der Vorkindergartengruppe zwei Plätze für Migrantenkinder unter drei Jahren zur Verfügung gestellt. Die Mütter unterstützen ehrenamtlich den Familientreff der Einrichtung und wirken dabei als Vermittlerinnen zwischen den Kulturen. Das stärkt den Austausch aller Familien und zeigt Migrantinnen Integrationsmöglichkeiten durch das Ehrenamt auf.“

Zum Förderprogramm 500 Landinitiativen des BMEL

Das Projekt steht nicht nur beispielhaft für bürgerschaftliches Engagement. Es zeigt nämlich ein Problem auf, das die meisten in Deutschland lebenden Familien kennen – unzureichende Kinderbetreuung. Aus diesem allgemeinen Problem kristallisiert sich ein ganz spezielles Problem für eine spezielle Gruppe heraus: Migrantinnen mit Kindern. Der Mangel an Kitaplätzen ist ein häufig auftretendes Problem im Integrationsprozess. Während es überwiegend die Ehemänner sind, die einen Integrationskurs besuchen, um schnellstmöglich eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen, sind es die Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Oftmals sieht man darin lediglich den kulturbedingten bzw. religiösen Aspekt, der in der Tat auch eine Rolle spielt. Was allerdings mit der Debatte um die Rolle der Frau im meist arabischgeprägten Raum verloren geht, das ist ein ganz simples Erschwernis im Integrationsprozess: „wer passt auf meine Kinder auf, wenn ich deutsch lerne?“

Landleben fördert gesellschaftliche Teilhabe

Ehrenamtliche fangen meist das auf, was beispielsweise gesetzliche Rahmenbedingungen nicht zulassen. Umso mehr sollte das Ehrenamt mit Förderprogrammen wie dem des BMEL gestärkt werden. Dazu erklärt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt:

„Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die ohne den ehrenamtlichen Einsatz nicht denkbar ist. Wir dürfen deshalb die Menschen vor Ort bei dieser wichtigen Aufgabe nicht allein lassen. Wir fördern und unterstützen Engagement und kreative Ideen wie die Kindergartengruppe für Flüchtlingskinder des Mütter- und Familienzentrums Roth. Der große Erfolg von „500 LandInitiativen“ zeigt, dass wir mit unserer Förderung der ländlichen Räume auf dem richtigen Weg sind.“

Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt: Zieht ein Geflüchteter in ein eher ländlich geprägtes Gebiet, so möchte er zunächst erst mal dort wegziehen. Warum? Er sieht sich plötzlich vor den Schwierigkeiten, die solche Gebiete mitsichbringen: fehlende Mobilität, eine Knappheit an Arbeitsplätzen, eine fehlende Diaspora, die Kommunikationshürden überwinden würde, und nicht zuletzt skeptische Blicke im Tante-Emma-Laden oder an der Bushaltestelle, wer denn „der Neue“ wohl sei. Die Erfahrung der letzten Jahre hat aber auch ein anderes Gesicht. Denn sobald die ersten skeptischen Blicke – übrigens oftmals von beider Seiten – ausgetauscht wurden, beginnt das Beste, was einem Neuzugewanderten passieren kann. Eine Ehrenamtliche kommt klingeln, meldet die Kinder in der Schule an, besorgt Möbel vom Nachbar um die Ecke und nimmt die neue Familie mit zum Integrationscafé „Welcome“, das von einigen aufgeschlossenen und interessierten Mitbürgern liebevoll organisiert wurde. Kann man netter empfangen werden?

Diese beispielhafte Szene geschieht tagtäglich mehrfach und zeigt auf, dass die Integration von Neuzugewanderten auf dem Dorf eine sympathischere Art der Integration ist. Geflüchtete berichten, dass sie sich gut aufgehoben gefühlt haben, dass sie an die Hand genommen wurden, sehr schnell Kontakt zu den Einheimischen geknüpft haben oder sich sogar in die Dorfgemeinschaft integriert fühlen. Und wenn das Landleben die Integration von Neuankömmlingen fördert, dann ist das ein signifikanter gesellschaftlicher Aspekt, der die Attraktivität des Landlebens hervorhebt.

Wer sich für die gesellschaftliche Integration von Zugewanderten im ländlichen Raum interessiert, kann hier weiterlesen:

✿ Flüchtlinge aufs Land? Migration und Integration im ländlichen Raum

✿ Integration von Geflüchteten in ländlichen Räumen. Ein Forschungsprojekt des Bundesamtes für Migration und Integration

✿ Migration und Integration im ländlichen Raum. Ein Artikel der Schader Stiftung

✿ Integration und Zuwanderung im ländlichen Raum. Wie kann Integration gelingen? Das Netzwerk Ländliche Räume informiert

✿ Integrationspotentiale im ländlichen Raum nutzen. Beratung + Schulung von haupt- und ehrenamtlich Engagierten in der Arbeit mit Migrant*innen und Geflüchteten

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