Zukunft

Kostenloser Nahverkehr – die Lösung für eine zu hohe Umweltbelastung in Deutschland?

 

 

Die EU-Kommission hat Deutschland abgemahnt: Die Umweltverschmutzung in Deutschland ist zu hoch. Es droht eine Klage. Schnell muss eine Lösung her.

Die Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) schlug gemeinsam mit den beiden Bundesministern Peter Altmaier (CDU, Kanzleramt) und Christian Schmidt (CSU, Verkehr) in einem Schreiben an die EU vor, kostenfreien Nahverkehr einzuführen. Die Idee dahinter: Wenn öffentliche Verkehrsmittel kostenlos sind, dann werden sie von mehr Menschen genutzt. Das Auto bleibt dann in der Garage, stattdessen fährt man mit Bus und Bahn zur Arbeit, zum Date oder zum Arzttermin. Die CO2-Emissionen würden sich verringern, ergo wäre eine Reduzierung der Umweltbelastung gegeben. In einigen Modellregionen wird die Idee gerade getestet.

 

 

Nein, keine Fake-News

Im ersten Moment scheint der Vorschlag utopisch….unrealistisch…zu schön um wahr zu sein. Alle „Öffis“ kostenlos, einfach so, nur der Umwelt zu Liebe… hach, das wäre schön!

Ja, das wäre schön und es ist möglich und bereits an einigen Orten der Welt auch real. Die estnische Hauptstadt Tallinn hat den Versuch gewagt und stellt die Öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei zur Verfügung. Doch man rechnete nicht mit solch einem großen Run. Letztendlich kann sich die Stadt das Vorhaben nicht leisten. Ebenso erging es Seattle.

Auch wenn man nach all der Schöne-Welt-Vorstellung keine Kritik hören möchte: Es gibt immer einen Haken. Und es stellen sich zwangsläufig ein paar erste Fragen.

 

Kritische Stimmen 

Ist es rein logistisch möglich, wesentlich mehr Menschen in den „Öffis“ zu transportieren? Die Verkehrssituation in großen Städten ist zu Stoßzeiten extrem, Busse, Tram und Bahn bis zum Anschlag überfüllt. Wie würde es sein, wenn noch mehr Menschen, darauf zurückgreifen würden, um zur Arbeit zu gelangen? Stehen überhaupt genug Fahrzeuge zur Verfügung oder müssten wir aufrüsten?

Das Thema Aufrüsten ist eine gute Überleitung zu dem nächsten riesengroßen Fragezeichen, das sich stellt: Wer soll das eigentlich bezahlen? Die Dimension solch eines Vorhabens ist so immens, dass man sich erstmal gar nicht vorstellen kann, welch hohe Summe aufgebracht werden müsste, um den Nahverkehr kostenfrei anbieten zu können. Spontan denkt man da an die Fahrzeuge, das Personal, Logistiker, und und und… Verschiedene Schätzungen schwirren derzeit im Netz umher, alle so in dem zweistelligen Milliarden-Bereich. Wie könnte solch ein Vorhaben finanziert werden? Eventuell mit Steuern?

Und wie sieht es dann eigentlich mit der Mobilität auf dem Land aus? Der Netzausbau ländlicher Regionen wird schon lange bemängelt und man hat es bisher nicht geschafft, ein flächendeckendes Netz auszubauen. Wie soll das Ziel erst erreicht werden, wenn die Fahrgäste nicht für den Transport zahlen? Selbiges gilt für das Nachrüsten von barrierefreien Transportmitteln. Kritisiert wird an der Stelle, ob bisherige Ziele auf der Strecke bleiben.

Ein weiterer Kritikpunkt, der in dem Zusammenhang geäußert wird, ist: Wie steht es dann eigentlich tatsächlich um die Umweltfreundlichkeit? Natürlich, der Schadstoffausstoß würde massiv reduziert werden, wenn mehr Menschen die „Öffis“ nutzen. Doch, wollen die Meisten den Luxus des eigenen Transportmitteln, also des Autos, wirklich aufgeben? Und würden dann nicht viele Fahrradfahrer auf motorisierte Transportmittel wie Busse umsteigen?

 

 

Wir werden sehen, wir werden sehen

Ob das System des kostenfreien Nahverkehrs tatsächlich eingeführt wird, bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass eine Neukonzeptionierung des Öffentlichen Verkehr nicht von heute auf morgen statt finden wird. Und solange bleibt uns nicht viel…

… außer abzuwarten und uns am Lenkrad festzuhalten, während wir im Berufsverkehr auf die grüne Welle warten.

 


 

I Weiterlesen:
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) ist überrascht über den Vorschlag der Bundesminister

 

 

 

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